Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Bei Bad Wurzach in Oberschwaben steht die Wallfahrtskirche Heilig Kreuz auf dem Gottesberg. Die Kirche wurde zwischen 1712 und 1713 fertiggestellt. Gegen Mitte des 18. Jahrhundertes siedelten hier Paulanerbrüder an. Mit den Paulanern kamen 1762 mehrere Reliquien auf den Gottesberg, darunter auch eine Heilig-Blut-Reliquie, von der die Wallfahrtskirche sehr profitierte.

Seit dem Jahr 1972 beherbergt die Kirche Heilig Kreuz eine Statue, die die heilige Mutter Anna mit ihrer Tochter Maria darstellt. Diese Staue ist mit der Geschichte der Wurzacher Auswanderer verwoben. Die ersten Siedler machten sich 1712 von Oberschwaben auf den langen Weg nach Satu Mare/Sathmar, eine im Nordwesten von Rumänien liegende Stadt nahe der ungarischen Grenze. Dorthin nahmen sie die Mutter-Anna Statue mit. Die barocke Figur wurde vermutlich von dem Bildhauer Johann Baptist Hops in Mietingen erschaffen, der diese eigens für die oberschwäbische Auswanderer gemacht hatte. Sie sollte die Auswanderer auf ihrem Weg beschützen. Immer am Kirchweihfest wurde die Anna-Statue besonders verehrt.

Im Oktober 1944 flohen viele von Sathmar vor der sowjetischen Übermacht und nahmen die Figur auf ihren beschwerlichen Weg mit. Stephan Brendlie (1913-1982), der Pfarrer der Gemeinde von Sîi/Scheindorf, ein Dorf Nahe bei Sathmar, schrieb in seinen Erinnerungen: „Bei der Kirche machten sie noch ein Kreuzzeichen und hoben ihren Hut. Manche eilten noch schnell in die Kirche, einige holten sich dabei auch Weihwasser. Allmählich leerte sich das Dorf, zuletzt fuhr ein Pferdewagen mit Kirchensachen und der heiligen Mutter-Anna-Statue aus dem Hof. Nun ertönten auch die Glocken vom Turm. Sie verkündeten der Welt das Unglück dieses schwäbischen Dorfes inmitten anderer Nationen.“

Die Figur der heiligen Mutter Anna kam über 200 Jahre später nach einer langen und abenteuerlichen Reise, die über Großkarol, Budapest, das Salzkammergut und Heidenheim an der Brenz führte, wieder auf den Gottesberg bei Bad Wurzach zurück. Ihr wurde sogar ein Lied - das Scheindorfer Mutter-Anna-Lied – als auch ein Gebet gewidmet.

Das Gebet der heiligen Anna: „Heilige Mutter Anna, wir bitten Dich, bleibe weiterhin die himmlische Schutzfrau aller Scheindorfer und der Sathmarer Schwaben, wo immer sie leben, leiden und sterben mögen. Aber auch für die Menschen hier in der schwäbischen Urheimat sowie für alle Erdenbewohner sei Du die große Fürsprecherin bei Maria, Deiner Tochter, unserer Himmelskönigin, und bei ihrem göttlichen Sohne Jesus Christus, unserem Herrn. Amen!“

Heute kann man die barocke Heiligenstatue aus dem 18. Jahrhundert an der nördlichen Langhauswand der Kirche sehen. Jedes Jahr feiern die ehemaligen Scheindorfer ihr Kirchweihfest in Bad Wurzach auf dem Gottesberg. Die hochbarocke Statue ist zu einem Heiligtum der Donauschwaben geworden. Seit 1928 findet alljährlich am zweiten Freitag im Juli das weitbekannte Heilig-Blut-Fest mit Reiterprozession statt. Bis zu 5.000 Gläubige kommen dann auf den Gottesberg um das heilige Fest zu begehen. Im Juli 2012 fand ein Fest zur Einweihung des Denkmals über die Einwanderung der Schwaben nach Sathmar statt.


Das Wurzacher Schloss wurde 1723 von Graf Ernst Jakob Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach gebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es durch das Salvatorianerkolleg zu einer Schule.



Das Kloster der Salvatorianer auf dem Gottesberg bei Bad Wurzach.

Wissenswertes:

Barockkirche Heilig Kreuz
Gottesbergweg 1, D-Bad Wurzach
Tel.: +49 (0) 7564 948920
Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 19.30 Uhr
Gottesdienst: täglich um 9 Uhr Messe mit anschließendem Rosenkranz; sonntags 7.30, 9 und 19 Uhr

Links:

http://www.schwaebische-baederstrasse.de/
http://wege.albverein.net/hauptwanderwege/schwarzwald-schwabische-alb-allgau-weg-hw-5/
http://www.oberschwaebische-barockstrasse.de/
http://www.oberschwaebischer-pilgerweg.de/