Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Die Seccomalerei an der Südseite des Ulmer Rathauses ist einer der Hinweise, die man in Ulm für die wichtige Rolle der Stadt in der Geschichte der Auswanderer von den deutschen Gebieten in den Südosten Europas findet. Anhand der verschiedenen Wappen anderer Handelsstädte, die die Malerei umgeben wird aber auch die Funktion Ulms als großes Handelszentrum deutlich. In Ulm fließen Iller und Blau in die Donau. Ab hier war der Fluss ab dem Mittelalter schiffbar. Ulm wurde somit zu einem wichtigen Handelshafen in Süddeutschland. Unter anderem wurden Weine, Holz, Leder, Käse, Farbstoff, Feuersteine und Samen Richtung Ungarn mit den Schachteln transportiert. Auch nicht zu verachten war der Transport der „Ulmer Auster“. Ulm galt als beste Adresse für Weinbergschnecken in Deutschland. Im 19. Jahrhundert wurden diese „Austern der Armen“ mit den Schachteln nach Wien transportiert, die dort als Delikatesse von Feinschmeckern hoch geschätzt wurden. Aber nicht nur Waren wurden auf dem 2.860 km langen Fluss transportiert, sondern auch Menschen. Das waren vor allem ab dem 17. Jahrhundert Auswanderer, deren Ziel vor allem Ungarn war. Trotz der Tücken, die eine Schifffahrt mit sich brachte, war es eine sicherere und schnellere Reisemöglichkeit, als auf den Straßen unterwegs zu sein.

Die Malerei auf dem Rathaus zeigt eine Ulmer Schachtel mit ihrer charakteristischen weiß-schwarzen Streifenbemalung. Im vorderen teil des Schiffs stehen die Passagiere, auf dem Dach die Gehilfen und der Schiffer, die mit langen Holzrudern das Gefährt lenken. Das wilde Donauwasser benetzt den Bug des Schiffes mit Gischtwölkchen.

Die Ulmer Schachtel, früher „Wiener Zille“ genannt, unterlag einem festen Fahrplan und genau definierten Tarifen. Eine Fahrt bis Wien dauerte, je nach Wasserstand, acht bis vierzehn Tage. Die zu dieser Zeit gebräuchliche Bezeichnung der Wassergefährten lautete „Ordinarischiffe“, weil sie „ordinari“, also regelmäßig Richtung Wien fuhren.

Normalerweise waren auf einem Schiff 40 Passagiere, während den Auswanderungswellen in die südöstliche Gebiete Europas waren es bis 150 Reisende. Diese Wellen starteten mit dem Jahr 1712. 1786 bestiegen über 3.000 Auswanderer innerhalb von drei Monaten eines der „Ordinarischiffe“ und traten die beschwerliche Reise an.

Die Konkurrenz der Eisenbahn drängte die Ulmer Schachtel und die Donauschifffahrt ab. Im Jahr 1897 fuhr die letzte gewerblich genutzte „Wiener Zille“. In Vergessenheit geriet sie jedoch nicht, das Schiff wurde zum Symbol Ulms und früh setzte eine touristische Nutzung der Schiffe statt.

Auch die Donauschwaben haben die Schiffe bis heute nicht vergessen. Sie sind auf vielen Denkmälern in Ungarn stilisiert worden und sind ebenso ein Symbol, das mit ihrer Vergangenheit eng verwoben ist.


Die Seccomalerei befindet sich auf der Südseite des Rathauses.



Die Seccomalerei zeigt eine Ulmer Schachtel mit Reisenden und der Besatzung.



Die Ulmer Schachtel mit ihrer typisch schwarz-weißen Streifenbemalung.