Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Die ca. 10.500 Einwohner zählende Kleinstadt Bela Crkva (deutsch Weißkirchen, rumänisch Biserica Alba, ungarisch Fehértemplom) liegt im südlichen, dem serbischen Teil des Banats, nahe der Grenze zu Rumänien. Weißkirchen ist eine der Siedlungen, in der einst sehr viele Deutsche lebten. 

Weißkirchen gehörte bis 1872 zum Banater Militärgrenzbezirk, später zum ungarischen Komitat Temes. 1918, nach Ende des Ersten Weltkriegs, wurde Weißkirchen eine Stadt des neugegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. 

Die Siedlung entstand nach der Vertreibung der Osmanen dank der Kolonisation, die vom Gouverneur des Banats, Graf Claudius Florimund Mercy, veranlasst wurde. Im Zeitraum zwischen 1725 und 1728 wurden auf seine Anordnung rund 300 Deutsche aus Franken und Hessen angesiedelt. Deren Ansiedlung ist allerdings schon ab 1717 belegt. Ab 1742 siedeln sich in Weißkirchen auch Serben, Rumänen und Juden an. Die Bevölkerung befasste sich mit Handwerk und Handel, aber auch mit dem Weinbau. Das Gebiet selbst, das sich am Fuße der Karpaten befindet, war außerordentlich günstig für den Weinbau. So machten die deutschen Ansiedler diesen Teil des Banats zu einem bekannten Weinbaugebiet. 

Die erste katholische Kirche wurde 1723 erbaut. Nach derer Zerstörung wurde 1744 eine neue Kirche errichtet, die St. Anna Kirche. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Siedlung wuchs auch die Zahl der römisch-katholischen Bürger. So wurde der Bau einer größeren Kirche beschlossen. Die neue Kirche wurde im Sommer 1806 eingeweiht. Die Kirche bekam eine Orgel, wobei der Orgelbauer Franz Anton Wälter und auch der erster Organist aus Temeswar kamen. 

Im Zeitraum zwischen den zwei Weltkriegen bildete die deutsche Bevölkerung eine ethnische Minderheit. Sie hatte jedoch in Weißkirchen ein reiches Kulturleben. Zur deutschen Tradition gehörte auch die Veranstaltung eines Karnevals. In Weißkirchen gab es sogar zwei Karnevalsvereine. Diese beiden Vereine lagen miteinander im Wettbewerb um den jeweils  attraktivsten Festzug zu „Fasching“

Die Häuser der eher wohlhabenden deutschen Bürger von Weißkirchen hatten ein besonderes, hervorstehendes Fenster, das sogenannte Kiebitzfenster, das dem „Kiebitzen“ diente. Es war eine Art innerhäuslicher Ausguck, von dem aus man bequem das Geschehen auf der Straße beobachten konnte. Für das Kiebitzfenster wurden sogar besondere Gardinen genäht. 

Während des Zweiten Weltkriegs war die deutsche Bevölkerung auf Seiten der deutschen Besatzungsmacht aktiv. Aus diesem Grund hat die Mehrheit der deutschen Bevölkerung nach Einzug der Partisanen-Armee die Stadt verlassen. Diejenigen, die geblieben waren, wurden in Lager verschleppt und ihr Vermögen wurde beschlagnahmt.


Die St. Anna Kirche heute.



Titel der Faschingszeitung von 1929.



Seelandschaft bei Weißkirchen.