Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Das kleine Weindorf Villánykövesd (deutsch Gowisch) mit knapp 300 Einwohnern liegt 34 km südöstlich von Pécs. Die bereits im Mittelalter bewohnte Siedlung gehörte einst zum Bólyer Gut der Grafen Batthyány.

Am Ende des 17. Jahrhunderts wohnten im Dorf nur 19 serbische Familien. Diese verließen nach der Ansiedlung von deutschen Katholiken ab ca. 1730 das Dorf. Der große Aufschwung des Weinanbaus in Gowisch ist den deutschen Kolonisten zu verdanken.

Es lohnt sich, einen kurzen Spaziergang auf den Kirchenhügel zu machen. Unterwegs sieht man mehrere Bauernhäuser aus der Zwischenkriegszeit, deren Grundstruktur und Fassaden bis heute unverändert bewahrt blieben. Oft führt der Blick direkt bis zum Endes des Hofes, zu einer hohen, fast senkrechten Wand aus Löss. In diese Löss-Wand ist in der Regel ein Keller eingehöhlt. Diese Keller werden zur Lagerung von Obst und Gemüse genutzt.

In der Nähe der Brücke, die über den Dorf-Bach führt, steht ein Denkmal aus jüngerer Zeit. Es erinnert an die Opfer, die die beiden Weltkriege unter den Bewohnern der kleinen Gemeinde gefordert hatten.

Gowisch befindet sich auf der nördlichen Seite des Villányer Gebirges. Deshalb hat es auf dem eigenen Gebiet keine Weingärten. Die örtlichen Winzerfamilien bauen den Wein auf der anderen Seite des Gebirges an, wo die Gegebenheiten dafür ideal sind. Durch die einheimischen deutschen Winzerfamilien – Blum und Tiffán – gehört Gowisch auch zu den von Weinfreunden gern besuchten Siedlungen.

Die einen sanften Bogen bildende Doppelreihe von Weinkellern auf dem Hügel neben der Landstraße nach Villány steht unter Denkmalschutz. Der größte Keller der Ortschaft, der in den 1750er Jahren von italienischen Baumeistern im barocken Stil erbaut wurde, war im Besitz der Familie Battyhyány. Deren Untertanen mussten hier den Wein-Zehnten abgeben. Heute dient dieser Keller auch touristischen Zwecken – mit integriertem Kellerrestaurant. Hier wird jedes Jahr das Internationale Weinlied-Festival feierlich eröffnet.

Diese Weinkeller zählen zu den schönsten touristischen Attraktionen des Weinbaugebietes.


Deutsches Bauernhaus aus der Zwischenkriegszeit.



Die römisch-katholische Kirche Mariä Himmelfahrt,
erbaut um 1780.

Das Dorf Kismányok (deutsch Kleinmanok) mit knapp 360 Einwohnern liegt 45 km nordöstlich von Pécs im südwestlichen Winkel des Komitats Tolna.

Die mittelalterliche Siedlung entvölkerte sich während der osmanischen Herrschaft (1541-1686). Zwischen 1715 und 1720 siedelte der Grundherr Graf von Zinnendorf hier etliche lutherische deutsche Familien an. Florimund Graf von Mercy, der nächste Grundherr, setzte diese Besiedlung fort. So vergrößerte sich die Zahl der Dorfbewohner dank vieler lutherischer Familien aus Hessen. Kleinmanok blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts lutherische Muttergemeinde. Die Häuser des neugegründeten Dorfes entstanden im Tal eines Wasserlaufs, der nach einer kurzen Strecke in den sogenannten „Völgységi“-Bach mündet. Die erste militärisch-kartografische Erhebung (1782-1785) zeigt die Hügelrücken um das Dorf mit Weinreben und Wäldern bedeckt, außerdem zwei Mühlen am „Völgységi“-Bach.

Nach dem Toleranzpatent von Josef II. ersetzte die Gemeinde das inzwischen zu klein gewordene Bethaus durch die noch heute stehende Kirche. Die Grundsteinlegung erfolgte 1785, die Übergabe 1790. Die Einweihung ließ aber bis 1801 auf sich warten. 1828 hatte die Gemeinde 68 Wohnhäuser, in denen 507 Menschen lebten. Davon waren acht Personen Katholiken und acht Israeliten, alle anderen waren lutherischen Glaubens.

Im südlichen Teil von Kleimanok (Richtung Hidas), in der Petőfi Sándor Straße 28, befindet sich das älteste bekannte Fachwerkhaus der „Schwäbischen Türkei”. Man kann es leicht erkennen: Zum einen steht es auf einer Anhöhe und zum anderen auf einem ein Meter hohen Natursteinfundament. Die Wände bestehen aus Lehmziegeln. Nach der örtlichen Legende gab der Grundherr den deutschen Kolonisten aus seiner eigener Grundstücksmauer Natursteine, damit sie ihre Häuser auf sicherem Fundament errichten konnten. 

Auf dem Fachwerkgiebel ist in einem kleinen Rahmen folgende Inschrift zu lesen: MARTIN HESS ANNO MDCCLXXIIII. Daher sind sowohl der Erstbesitzer als auch das Baujahr (1774) bekannt. Den Namen Hess findet man unter den ersten deutschen Kolonistenfamilien in Kleinmanok. Die Familie kam 1721 aus Büssfeld in Oberhessen. 1723 zogen etliche Mitglieder der Familie nach Bonyhád um.   Ebenfalls aus Büssfeld, kam 1723 Johann Henrik Hess ins benachbarte Majos. Sein Sohn Johann Henrik „junior“ wurde 1737 in der evangelischen Muttergemeinde Kleinmanok getauft. Mit gutem Grund kann man annehmen, dass Martin Hess, der Erbauer und Inhaber dieses Fachwerkhauses, ein Nachkommen dieser weit verzweigten Hess-Sippe war.

Seit 1774 wurde das Haus mehrmals umgebaut. Auch die Fachwerkstruktur des Giebels wurde hinter einer Mörtelschicht versteckt. Nach der sorgfältigen Renovierung im Jahr 2005 nutzt der Eigentümer dieses wertvolle Baudenkmal nun als Gästehaus.

Die evangelische Kirche aus dem 18. Jahrhundert.


LINKS: Die schön restaurierte Orgel der Kirche wurde 1808 gebaut.

RECHTS: Der Giebel vor der Restaurierung 2005.


Die schöne Fachwerkstruktur mit dem eingeritzten Namen des Erbauers.

Tipps und Events

Nach einem schönen Ausflug in der Gegend kann man in dem Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert auch übernachten.

Adresse: Petőfi u. 28. 7356 Kismányok
Telefon:+36 74 458 976

Infos unter: www.floruna.eoldal.hu

Die größte Stadt des Hügellandes „Völgység“ gehört zum Komitat Tolna. Mit seinen knapp 14.000 Einwohnern liegt Bonyhád (deutsch Bonnhard) rund 40 km nordöstlich von Pécs.

Im 18. Jahrhundert ließen sich viele deutsche Familien in Bonnhard nieder. Die Mehrheit der Kolonisten kam aus dem heutigen Bundesland Hessen. Darauf weist auch das nach 1990 geschaffene, neue Stadtwappen hin: Sein oberes Drittel zeigt vor blauem Hintergrund einen silbernen und rot geteilten, steigenden Löwen mit Doppelschweif und ausgestreckter Zunge. Der Löwe trägt eine goldene Krone auf dem Kopf und hält in der rechten Pranke ein Schwert. Es ist wahrscheinlich die einzige Ortschaft, die auf diese Weise das Herkunftsland ihrer deutschstämmigen Bewohner darstellt. Unter der Spitze des Wappens kann man auf rotem Band die ungarisch-sprachige Losung lesen: „Mit Treue zum Vaterland“. Das weist darauf hin, dass Bonnhard das Zentrum der assimilationsbereiten Deutschen war, die sich auch gegen den deutschnationalen „Volksbund“ wandten. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren ihre Vertreter enttäuscht, da auch sie zu den „Vaterlandsverrätern“ gezählt und ebenfalls entrechtet und enteignet wurden. Sie wurden in dieselben Viehwaggons gesteckt, wie die „Volksbundler“-Deutschen und auch wie diese aus dem Land vertrieben.

Die Deportation der Juden 1944 und die Vertreibung der Deutschen betraf insgesamt ca. 3.500 Einwohner der Großgemeinde. In deren Häuser wurden teilweise geflohene Szekler aus der Bukowina, teils aus der Tschechoslowakei vertriebene Ungarn eingewiesen, insgesamt etwa 300 Familien.

Das bedeutendste Baudenkmal der Gemeinde ist die römisch-katholische Pfarrkirche auf dem Szabadság tér. Deren Grundstein 1769 gelegt wurde. Graf Esterházy, Bischof von Pécs, weihte die Kirche 1782 ein. Die einschiffige Barockkirche wurde auf Initiative vom Pfarrer Michael Winkler errichtet. Die Familien Kliegl und Perczel sicherten als Grundherren das nötige Baumaterial. Auch protestantische Leibeigene mussten beim Bau der Kirche Frondienst leisten.

An Michael Winkler erinnert im Vorraum der Kirche eine 1931 angebrachte Gedenktafel. Winkler hat sich auch mit einer Entdeckung verdient gemacht: Er fand im Pécser bischöflichen Archiv einen immerwährenden Kalender aus dem 16. Jahrhundert, der einst dem Franziskanerorden gehörte. Der Kalender enthält Gebete, Meditationen, Zitate aus der Bibel und Gesänge. Dieses wichtige Dokument befindet sich heute in der Landesbibliothek Széchenyi in Budapest. Es wurde nach seinem Entdecker „Winkler-Kodex“ genannt.


Das evangelische Gymnasium in Bonnhard,
Anfang des 20. Jahrhunderts.



Das Schloss der Adelsfamilie Perczel in den 1940er Jahren. Heute dient es – schön renoviert – als Bibliothek.



In Bonnhard stellte die Familie Pausch die bei den Ungarndeutschen beliebten, gedrechselten Vorgangsäulen her. Reklame aus dem Jahr 1907.

Tipps und Events

Museum „Völgység“ – Völgységi Múzeum
Szabadság tér 2., 7150, Bonyhád
Telefon: +36 (06) 74 451 432
www.volgysegimuzeum.hu
Öffnungszeiten:
April bis September: Di-Sa 10-16 Uhr, Sonntag, Montag geschlossen
Oktober bis März: Di-Fr 10-16 Uhr, Samstag, Sonntag, Montag geschlossen

Die Ausstellung des örtlichen Museums „Völgység“ zeigt die Folklore und Geschichte der Region vom Anfang des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.



Ungarndeutsches Haus
Rákóczi F. u. 74, 7150, Bonyhád
Telefon: +36 (06) 30 496 8016

Die Ausstellung kann nach Anmeldung oder während der Proben des Chores, dienstags ab 17 Uhr, besichtigt werden.

Das Ungarndeutsche Heimatmuseum wurde 1992 mit finanzieller Hilfe des Freistaates Bayern eröffnet. Neben Wohnräumen und der Küche kann man auch die landwirtschaftlichen Räume um Haus und Hof besichtigen.



Die Siedlung liegt 45 km südsüdöstlich von Pécs. Hier ist der Grenzübergang nach Kroatien. In der Nähe des Dorfes, neben der nach Kásád führenden Landstraße, liegt der südlichste Punkt Ungarns.

In der Nähe des Berges Harsány fand am 12. August 1687 eine für diesen Landesteil entscheidende Schlacht der Türkenkriege statt. Sie endete mit dem Sieg der kaiserlichen Truppen. Für seine Verdienste erhielt Feldmarschall Friedrich Graf von Veterani von Leopold I. Beremend (deutsch Berend, kroatisch Breme) als Geschenk. Zunächst ließen sich hier serbische Familien nieder. Vereinzelt kamen aber auch Deutsche, die aus dem hiesigen Kalkstein Kalk brannten. 1749 schenkte Maria Theresia das Gut der Grafenfamilie Esterházy. Unter ihr wurde die Ortschaft planmäßig mit Deutschen und Serben besiedelt, aber auch Magyaren ließen sich hier nieder. Zudem entstand hier eine der ältesten jüdischen Gemeinschaften des Komitats Baranya. Der Friedhof der jüdischen Gemeinde wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in den jüdischen Friedhof von Pécs (Fünfkirchen) verlegt. Die unterschiedlichen ethnischen Gruppen lebten zwar nicht voneinander isoliert, sie bildeten aber innerhalb der Ortschaft „Inseln“. Neben den verschiedenen Ethnien gab es hier auch religiöse Vielfalt. Davon zeugen heute die drei Kirchen von Berend: die katholische, die reformierte und die orthodoxe Kirche.

Berend gehörte ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Fürstenfamilie Schaumburg-Lippe, die die Auen der Drau trockenlegen und einen Damm zum Fluss hin errichten ließ. Das 1910 eröffnete Portland-Zement- und Kalkwerk trug wesentlich zur Modernisierung der Lebensumstände und zur Entwicklung der Wirtschaft bei. Im gleichen Jahr wurde eine Bahnverbindung geschaffen und das Dorf an das Telefonnetz angeschlossen. In der Zwischenkriegszeit wurden in diesem multiethnischen Dorf im Zeichen der bürgerlichen Entwicklung zahlreiche Vereine gegründet, von denen der Sportkreis bis heute existiert.

Die Mehrheit der örtlichen ungarndeutschen Familien wurde zu Pfingsten 1946 nach Deutschland vertrieben. Die links vor der katholischen Kirche vorbeilaufende Straße führt auf einen Hügel, den örtlichen Weinberg. Hier befindet sich die ökumenische Versöhnungskapelle, die zwischen 1993 und 1998 auf Initiative und teilweise aus den Spenden der vertriebenen Deutschen errichtet wurde. Die Einweihung fand zu Pfingsten 1998 statt. An der Zeremonie beteiligten sich römisch-katholische und kalvinistisch reformierte Bischöfe aus Ungarn und aus Kroatien. Die Kapelle steht für den Frieden und die Versöhnung zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen und erinnert an die Leiden der vertriebenen Deutschen und die Grausamkeit des Jugoslawien-Krieges.


Die ökumenische Versöhnungskapelle steht für den Frieden zwischen Völkern und Religionen.

Tipps und Events

Mendele Gedenkhaus
Kiss Ernő u. 9, 7827 Beremend

Der aus einer ungarndeutschen Familie entstammende Ferenc Mendele (1934-1994) ist eine herausragende und bekannte Persönlichkeit des Dorfes. Mendele war Architekt und lange Zeit der Direktor des Ungarischen Denkmalschutzamtes. Sein Lebenswerk kann in seinem Geburtshaus, das seit 1996 als Gedenkhaus Mendele fungiert, besichtigt werden.

Das Dorf Györköny (deutsch Jerking) liegt im Komitat Tolnau. Anfang des 18. Jahrhunderts siedelten sich hier serbische Familien an, die aber nur ein paar Jahre blieben. Die Flurnamen „Ratzeloch“, „Ratzeacker“ und „Ratzekaß“ erinnern noch heute an die Anwesenheit der „Raitzen“.

Das Kirchenbuch der evangelischen Gemeinde ist seit 1718 in Gebrauch. Ab 1720 enthält es auch deutsche Familiennamen. Laut Überlieferung waren die ersten Deutschen sogenannte „Heidebauern“ aus den westungarischen Komitaten Moson und Sopron. Ursprünglich sollen sie aus dem Salzburger Land nach Ungarn gekommen sein, wo sie wegen ihrer evangelischen Konfession bedrängt wurden. Zu ihnen gehörte auch der 1720 in Jerking verstorbener Georg Rudolf. Neben seinem Namen steht im Matrikel: „Er stammt aus Österreich, wurde wegen seiner Konfession landflüchtig, und siedelte sich bei uns an.“

Der Grundherr des Dorfes brachte in den 1720er Jahren evangelische Deutsche aus Hessen hierher. Laut örtlicher Überlieferung kamen die Deutschen 1725 in das Komitat Tolnau. Ihr Weg führte aus Norden hierher. So kamen sie mit ihren Pferdewagen zunächst nach Bikács, wo etliche Kolonisten dann auch blieben. Die anderen fuhren weiter nach Süden. Der Sage nach brach in Jerking das Rad eines Fuhrwerks, worauf die Kolonisten sich hier ansässig machten. Diese Geschichte sollte auch die Verwandtschaft zwischen den Bewohnern der beiden Gemeinden deutlich machen. Tatsächlich war die Reihenfolge aber umgekehrt: Zuerst wurde Jerking und später, ab 1730, dann Bikács bevölkert.

Die zwei deutschsprachigen evangelischen Gemeinschaften von Jerking konnten sich nicht miteinander anfreunden. Untereinander wurde nicht geheiratet und in der Kirche saßen sie voneinander getrennt. Im Dorf bewohnten sie jeweils „eigene“ Straßen.

Nach der Ankunft der ersten Hessen zog ein Teil der Ungarn nach Sárszentlőrinc um, wodurch die Deutschen zur Mehrheitsbevölkerung wurden.

Jerking bot die „vier W“, also genau das, was die Ansiedler für ihre Niederlassung suchten: den Wald, das Wasser, die Weide und den Weinberg. Die Bevölkerung lebte zwei Jahrhunderte lang überwiegend von Landwirtschaft und Weinbau. Die größte Einwohnerzahl hatte Jerking 1900 mit 2.749 Bewohnern. Diese Zahl sank aber bald, da die große Auswanderungswelle nach Amerika auch hiesige Familien erfasste.

Nach 1945 wurden etwa 1.000 Deutsche aus Jerking vertrieben. In deren Häusern siedelte die ungarische Regierung Magyaren an, die aufgrund der Beneš-Dekrete aus der Tschechoslowakei vertrieben worden waren. Zudem kamen mehrere Dutzend Familien aus östlichen Regionen Ungarns in das Dorf.

Jerking bietet zwei Sehenswürdigkeiten mit ungarndeutschem Bezug. Das eine ist das Heimatmuseum, in dem Zeugnisse der örtlichen Wohnkultur und des Handwerks sowie historische Volkstrachten präsentiert werden.

Die andere Sehenswürdigkeit ist das Weinkellerviertel. Ende des 19. Jahrhunderts, als in der Gegend etwa 1.000 ha Grund für Weinbau genutzt wurden, befanden sich hier 420 Keller.


Es ist ein schönes und bleibendes Erlebnis, einen Spaziergang zwischen den einheitlichen Fassaden der Weinkeller zu unternehmen – am besten in Verbindung mit einer Weinverkostung.



Früher Morgen im Weinberg.



Fassaden der Weinkeller.



Nach der Vertreibung brachen viele der herrenlosen Keller zusammen, was die vielen Lücken in der heutigen Reihe der Weinkeller erklärt.

Tipps und Events

Heimatmuseum
Kossuth Lajos Straße 325, 7045 Györköny
Telefonnummer: + 36 (06) 75 552 007
Eine Besichtigung ist nach Terminvereinbarung möglich.

Das Gebäude wurde um 1900 gebaut. Das Haus hat gestampfte Lehmwände, ein Schilfdach und kleine Straßenfenster.



Das Dorf Zsibrik (deutsch Sibrick) liegt 50 km nordöstlich von Pécs. Es gehört seit dem 18. Jahrhundert zum Komitat Baranya/Branau, nachdem das Komitat Tolna/Tolnau im Zuge eines von 1695 bis 1720 dauernden Prozesses 26 Dörfer an Branau übergeben musste.

Nach Sibrick führte eine legendär schlechte Straße, die erst 1995 verbessert und asphaltiert wurde. So ist es keine Überraschung, dass der Dorfname der Legende nach vom Ausruf „Schieb zurück!“ abgeleitet ist. Mit diesem Ruf sollen die deutschen Einwanderer ihre Pferde angetrieben haben, als sie auf dem Weg in dieses Tal ins Stocken gerieten. Die Ortschaft ist auch heute noch nur von Mőcsény her durch das Börcsin-Tal erreichbar.

Sibrick kam 1743 in den Besitz der Bonnharder Perczel-Familie, die das Dorf mit evangelischen Deutschen bevölkerte. Mit der Zeit ließen sich hier aber auch Katholiken nieder. Eine Aufzeichnung vom Ende des 18. Jahrhunderts berichtet davon, dass die Bewohner nur schwer „vorwärtskommen“ könnten, da ihr Boden nur zur Weidewirtschaft und nicht für den lukrativeren Acker- oder Weinbau geeignet sei.

Um 1830 standen 83 Häuser im Dorf, bei rund 600 Einwohnern. Darunter waren auch 85 Juden, da die Perczels die Ansiedlung der Juden in ihren Dörfern gegen Extra-Steuern erlaubten. Die Zahl der Katholiken schrumpfte in dieser Zeit auf 5.

Die Einwohner beschäftigten sich Mitte des 19. Jahrhunderts trotz der ungünstigen Gegebenheiten hauptsächlich mit Tabak- und Weinanbau. Es wanderten aber auch immer mehr Einwohner aus.

Durch Entrechtung und Enteignung und die darauf folgende Vertreibung der Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, sowie ab 1970 durch die bewusst destruktive staatliche „Siedlungsentwicklungspolitik“ gegen die kleinen Dörfer, wurde Sibrick gänzlich entvölkert. Mittlerweile sind einige Häuser wieder bewohnt, die Zahl der Bewohner liegt bei 30 Personen. Die kalvinistisch reformierte Kirche gründete 1990 eine Stiftung mit dem Zweck, drogenabhängigen Jugendlichen zu helfen. Dafür nutzt die Stiftung auch einige Häuser von Sibrick.

Hinsichtlich der deutschen Baukultur ist Sibrick ein wichtiges Dorf, da hier zwei Wohnhäuser in Fachwerkskonstruktion erhalten geblieben sind. Das eine befindet sich in der Kossuth Str. 6. Das Haus steht auf einem Naturstein-Unterbau, der bis zu einem Meter hoch ist. Es ist vermutlich ein Haus der ersten Kolonisten. Ursprünglich war es dreigeteilt eingerichtet: Wohnstube, Küche, Kammer. Die Fachwerk-Konstruktion ist auch auf der hinteren Hofseite erhalten geblieben.

Das zweite Haus mit Fachwerk liegt ebenfalls im Dorfkern, in der Nähe der evangelischen Kirche, in der Petőfi Str. 28. Das Haus steht ebenfalls auf einem Naturstein-Unterbau. Aufmerksamkeit erregt nicht zuletzt das reiche Gitterwerk an der Giebelseite. Die innere Struktur des Hauses war ursprünglich viergeteilt: Stube – Küche und Stube – Sommerküche (mit offenem Kamin). Das Kolonistenhaus, das lange Zeit unbewohnt war, wurde 1998 renoviert und wird für Gemeindezwecke genutzt. 


Asphaltierte Straßen sucht man hier vergebens.



Detail des Fachwerk-Giebels.



Hintere Fassade des Fachwerk-Kolonistenhauses.

Villány (deutsch Wieland) ist seit 2000 eine Stadt. Sie liegt 36 km in süd-südöstlicher Richtung von Pécs und gilt in Südungarn als die „Hauptstadt der Rotweine“.

Das südlichste historische Weingebiet des Landes befindet sich auf den südlichen Hängen und breiten Plateaus des Villányer Gebirges, das von seiner Höhe her nur eine Hügelkette ist. Das Weingebiet umfasst insgesamt 2.200 Hektar. Auf dem westlichen, dem Siklóser Teil, wird hauptsächlich Weißwein angebaut, auf der östlichen Seite Rotwein. Hier wurde 1994 der erste ungarische „Weinstraßenverein“ gegründet.

Südwestlich von der Ortschaft fand am 12. August 1687 die sogenannte „zweite Mohácser Schlacht“ statt. Hier wurde die Armee des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel vom osmanischen Heer angegriffen. Der Angriff konnte mit Hilfe der herbeigeholten kaiserlichen Regimenter abgewehrt werden. Der Gegenangriff auf das verschanzte osmanische Lager brachte der christlichen Seite den Sieg. Am Triumph beteiligt waren so berühmte Generäle wie Karl Herzog von Lothringen, Ludwig Markgraf von Baden und Prinz Eugen von Savoyen.

Diese Schlacht wurde zu einem Meilenstein in den Türkenkriegen des ausgehenden 17. Jahrhunderts, und sie schlägt sich bis heute in Namen und Etiketten der Weine nieder. Etwa in „Jammertal“ oder „Jammertal Selektion“. Das mit Reben bedeckte Jammertal liegt auf dem ehemaligen Schlachtfeld. Der Überlieferung nach „jammerten“ und klagten hier tagelang die schwerverletzten osmanischen Soldaten, da sich die christlichen Soldaten nach der Schlacht nur um die eigenen Kameraden kümmerten. Einige Winzer benannten ihre Weine nach kaiserlichen Generälen. So gibt es z.B. den Roséwein „Styrum“, der 2013 zum besten Rosé aus Südungarn gewählt wurde.

Das Dorf gehörte zu dem im Jahre 1699 gegründeten Gut Bellye und wurde zum Grundbesitz des Prinzen Eugen von Savoyen. Nach dessen Tod kam das Gut in den Besitz der Familie Habsburg. Eine Konskription aus dem Jahr 1715 erwähnt im Dorf 49 „raitzische“ Familien. Die Ansiedlung der Deutschen erfolgte etwa ab den 1730er Jahren und dauerte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Die hiesigen Rotweine und die unter Denkmalschutz stehende Weinkellerstraße verschafften dem Dorf landesweite Bekanntheit. Das Kellerviertel entstand auf dem Hügel südwestlich vom kleinen Stadtzentrum. Wie für ungarndeutsche Dörfer typisch, hatten die Winzer ihre Weinkeller nicht auf das Weingut selbst gebaut, sondern an den Rand des Dorfes. Denn das hätte sie ein Stück ihres Weinberges gekostet. Der Vorteil war aber auch, dass die Weinkeller so näher bei den Häusern waren, denn die Weingärten lagen oft entfernt vom Ort. Auf diese Weise entstanden Dorfviertel mit eigener Funktion: Hier wurde nach der Weinlese der Wein verarbeitet und gelagert. Zurzeit leben hier rund 200 Familien vom Anbau und Verkauf des Weines.

LINKS: Deutsches Brautpaar, Wieland um 1930.

RECHTS: Gut erhaltene Weinkeller.



Zurzeit leben in Wieland ca. 200 Familien von Weinanbau und –verkauf. 



Dorfstraße in Wieland, 1975.

Tipps und Events

In Wieland gibt es das ganze Jahr über Programme rund um den Wein. Um das aktuelle Angebot informiert man sich am besten unter: http://www.villany.hu/turistaknak

Pécs (deutsch Fünfkirchen, kroatisch Pečuh) ist eine heute 150.000 Seelen zählende Stadt im Süden Ungarns. Seit dem Jahre 1009 ist sie auch bischöflicher Sitz. Bereits seit dem 13. Jahrhundert gibt es dort eine deutschstämmige Population. Von ihren mittelalterlichen Bischöfen stammen auch mehrere aus dem deutschen Sprachraum. Darunter Wilhelmus, auf dessen Initiative 1367 in Fünfkirchen die erste Universität des Landes eröffnet wurde. 

Die Stadt geriet im Juli 1543 unter osmanische Herrschaft. Der Name des letzten christlichen Stadtrichters aus diesem Jahr ist uns auch heute noch bekannt: Wolfgang Schreiber. Das belegt, dass es den deutschen Bürgern der Stadt mit der Zeit gelungen war, führende Ämter einzunehmen. 

Ludwig Markgraf von Baden eroberte an der Spitze der kaiserlichen, österreichischen Truppen im Jahre 1686 Fünfkirchen und die Region bis zur Drau. Das 18. Jahrhundert war davon geprägt, Fünfkirchen neu auf zubauen. Die Stadt wurde hauptsächlich mit Familien aus deutschen und österreichischen Provinzen neu besiedelt. Fünfkirchen wurde eine katholische Stadt mit vielen Nationalitäten. Die Bevölkerung setzte sich neben Deutschen aus Ungarn und Kroaten zusammen. In der Innenstadt, auf dem Kalvarienberg und in der südlichen Außenstadt dominierte überwiegend die deutsche, im östlichen Stadtteil die kroatische Sprache. Im westlichen Teil der Stadt war Ungarisch vorherrschend.

Der wirtschaftliche Aufschwung begann mit der Entstehung der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft, die Mitte des 19. Jahrhunderts an dem Steinkohleabbau im Mecsek-Gebirge interessiert war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts arbeiteten deutsche und österreichische Architekten in Fünfkirchen. Zu dieser Zeit wurden all die privaten und öffentlichen Gebäude erbaut, die das Stadtbild bis heute prägen. In den 1830er Jahren wurde auch ein deutsches Theater in Fünfkirchen eröffnet, das bis 1865 aktiv war. Nach einigen, nur kurzzeitig erschienenen deutschsprachigen Zeitungen kam 1870 die Fünfkirchener Zeitung heraus, ein patriotisch gesinntes, liberales Blatt. Ihre Herausgeber und Redakteure stammten aus den Reihen der in der Stadt angesiedelten Juden.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Stadt zum Zentrum des deutschsprachigen Nationalitätenunterrichts in Süd-Transdanubien. An der Pädagogischen Hochschule gab es ab 1957 eine Deutschlehrer-Ausbildung. 1994 entstand hier das Ungarisch-Deutschsprachige Schulzentrum, das seit 2005 den Namen der Dichterin Valeria Koch trägt. Die Redaktion der deutschsprachigen Radiosendungen begann ihre Tätigkeit in der Mitte der 1950er Jahre. Die Redaktion für deutschsprachige Fernsehsendungen fing 1972 mit ihrer Arbeit an. Nach dem Zweiten Weltkrieg formte sich 1985 in Fünfkirchen die erste eingetragene Zivilorganisation der Ungarndeutschen: der Kulturverein Nikolaus Lenau.

2010 wurde Fünfkirchen im Verbund mit Essen und Istanbul zur Kulturhauptstadt Europas.




Wissenswertes

Lenau-Haus
Interessierte können im Lenau-Haus vielerlei kulturelle Veranstaltungen, darunter auch temporären Kunstausstellungen, besuchen. Im Haus befinden sich auch Gästezimmer. 

Lenau-Haus
7621 Pécs, Munkácsy M. Str. 8.
Telefonnummer: +36 (0) 72 332 515
www.lenau.hu
Öffnungszeiten: Mo-Do 8.30-16.30 Uhr, Fr 8.30-14.30


Über die wichtigsten Kultureinrichtungen der Stadt Fünfkirchen können Sie sich unter den folgenden Links informieren:
Das im Kulturhauptstadtjahr entstandene Zsolnay Viertel: www.zsn.hu
Das Kodály Konzert- und Konferenzzentrum: www.kodalykozpont.hu
Die UNESCO-Weltkulturerbestätte von Fünfkirchen: www.pecsorokseg.hu
Die Museen von Fünfkirchen: www.jpm.hu
Das wichtigste Theaterfestival Ungarns: www.poszt.hu

Ansicht der Stadt vom Hang des Mecsek-Berges.


LINKS: Das barocke Portal des einstigen Verwaltungsgebäudes des Komitates.

RECHTS: Die Moschee des Paschas Jakowali Hassan wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut.

Palkonya (deutsch Palkan, kroatisch Palkinja) liegt 30 km süd-südöstlich von Pécs. Das erstmals 1296 urkundlich erwähnte Dorf gehörte einst zum Gut Bóly, das im Besitz der Grafenfamilie Batthyány war. 

Ende des 17. Jahrhunderts wurden hier Serben angesiedelt. Von 1711 bis 1713 wurden erneut serbische Familie hierher gerufen und ansässig gemacht. Über die Ankunft der ersten deutschen Kolonisten liegen keine archivarischen Quellen vor. Eine Konskription aus dem Jahre 1748 erwähnt im Dorf 24 Häuser, in denen Deutsche wohnten, und ein Haus, in dem Magyaren lebten. Das bedeutet, dass die serbischen Familien zu dieser Zeit in eine andere Ortschaft umgezogen sind.

Die klassizistische Rundkirche, die 1816 von der Familie Batthyány gebaut wurde, ist ein prägendes Element des Dorfbildes. Sie erinnert mit ihrem schlanken Turm und mit ihrer halbkugelförmigen Kuppel von Weitem an eine Moschee. Der Schein trügt jedoch. Zuvor stand an dieser Stelle eine Kapelle, die vom Dorfbewohner Ferdinand Jobst im Jahre 1769 errichtet wurde.

Es ist erwähnenswert, dass diese kleine deutsche Gemeinde schon ab den 1780er Jahren über ein selbständiges Schulgebäude verfügte.

Das einheitliche Dorfbild verdankt sein Aussehen der Tatsache, dass nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige alte Häuser abgerissen wurden, um für Neubauten Platz zu machen. Die neuen Einfamilienhäuser wurden am Rande des Dorfes gebaut. Das Bürgermeisteramt legte in den 1990er Jahren viel Wert darauf, den jetzigen, in Folge der Vertreibung nicht mehr deutschstämmigen Bewohnern bewusst zu machen, dass die alten Wohnhäuser wertvolle Denkmäler der Volksarchitektur sind, die Pflege und Bewahrung verdienen. So wurden die meisten Gebäude ohne Zerstörung der ursprünglichen Fassaden und Beeinträchtigung der Baumasse modernisiert.

Palkan ist die nördlichste Siedlung des Villány-Siklóser-Weingebietes. Das unter Denkmalschutz stehende Weinkellerviertel entstand neben der Landstraße, die ins Bachtal führt. Es ist ein sehr beliebtes Fotothema, sowohl für Profis als auch Amateure. 

Das Weinkellerviertel von Palkan, das unter Denkmalschutz steht.


Die Kirche von Palkan 1944.

Wissenswertes

Tag der offenen Keller
www.palkonya.hu

Palkan ist für den „Tag der offenen Keller“ berühmt, der alljährlich an Pfingstmontag abgehalten wird. Das vielfältige Kulturprogramm und die örtlichen Weine locken viele Touristen auch aus ferneren Regionen nach Palkan.


Teufelskessel Festival
www.ordogkatlan.hu
Seit 2008 wird in fünf Dörfern, darunter auch in Palkan, das „Teufelskessel“ (Ördögkatlan)-Festival veranstaltet. Jedes Jahr im August trifft sich hier Kunst und Kultur, Gastronomie und Handwerk mit zehntausenden von Besucher für eine heitere, gemeinsame Woche.



Das Sackgassendorf befindet sich etwa 35 km nordöstlich von Pécs und kann nur über eine einzige Straße erreicht werden. Das Dorf liegt im schmalen Tal eines kleinen Baches und ist ringsum von steilen Hügeln umgeben, die teils von Wiesen, teils von Wäldern bedeckt sind. Diese natürlichen Gegebenheiten haben auch die Lebensweise der Bevölkerung bestimmt. 

Die Familie Perczel siedelte hier ab dem Jahr 1740 neue Kolonisten an, da diese Region nach den Türkenkriegen entvölkert war. Die ersten Glashütten wurden um 1760 von deutschen Siedlern gebaut und betrieben. Da Ófalu (deutsch Ofala) in einer hügeligen und bewaldeten Umgebung liegt, war hier die Holzverarbeitung, etwa Holzschnitzerei oder der Bau von Stühlen, traditionell eines der Haupteinkommen der Einwohner. Auch der Spitzname „Hechentapper“ (etwa: Heckentrapper, Heckentreter), wie die Ofalaer oftmals genannt wurden, weist auf die dichte Vegetation um das Dorf herum hin. 

Neben der Feldstraße, die Richtung Osten aus dem Dorf führt, zeigt die vorbildlich renovierte Skulptur hl. Wendelin, dem Schutzpatron der Hirten, welch wichtige Rolle hier einst die Weidewirtschaft und Viehhaltung spielte. 

Die Werkstatt des Drechslers Anton Pausch  bewahrt die Tradition der früheren Holzschnitzerei. Die Überdachung über dem Gang der Bauernhäuser wird in der Gegend nicht von sonst üblichen Ziegelpfeilern, sondern von sorgfältig verzierten Holzsäulen gehalten. Solche wurden und werden noch heute in der Pausch-Werkstatt sowie anderen Werkstätten angefertigt. 

Das Heimatmuseum  des Dorfes bewahrt Werkzeuge, Möbel, Zimmer- und Kücheneinrichtungen der örtlichen Deutschen aus der Vorkriegszeit. Auf dem Hügel gegenüber dem Heimatmuseum, auf der anderen Seite des Baches, blicken ein schlicht angefertigter Kalvarienberg  und die Grabmäler des Friedhofes auf das Dorf herab.

Bereits 1888 begannen die Bewohner von Ofala Spendenmittel zum Bau einer Kirche  zu sammeln. Mit viel Engagement und Arbeit wurde die Kirche im Jahre 1904 erbaut und auf den hl. Anton geweiht. 

Wenn sie gerade offen ist, lohnt es sich auch, in die kleine Dorfkneipe auf eine Erfrischung einzukehren, wo man natürlich auch den örtlichen deutschen Dialekt in einer authentischen Weise zu hören bekommt. 

Die bekannteste Persönlichkeit des Ortes und einer der angesehensten Angehörigen der deutschen Minderheit in Ungarn ist Prof. Dr. Jenö Kaltenbach, der 1947 in Ofala zur Welt kam. Der Jurist hat zahlreiche, wichtige öffentliche Ämter wahrgenommen, etwa als Ombudsmann des Ungarischen Parlaments für die Nationalen Minderheiten. Für sein Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet. Unter anderem mit dem Kulturpreis der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft: „Für den herausragenden Einsatz zum Schutz und zur Stärkung der Rechte von Minderheiten in Europa und für herausragende Leistungen, die der Pflege und Förderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Ungarn dienen.“ 

Die im Jahre 1904 erbaute Kirche.


LINKS: Die von Anton und Margaret Hein gestiftete Skulptur des hl. Wendelin (1872).

RECHTS: Der Drehbrunnen des Heimatmuseums mit geschnitzter Holzstruktur.


Das Strohdach auf dem Heimatmuseum von Ofala ist heute eines der letzten Beispiele für diese einst allgemein verbreitete Bauweise und Bedeckung eines Daches.

Tipps und Events: 

Deutsches Heimatmuseum
Kossuth u. 38, 7696 Ófalu
Telefonnummer: + 36 (06) 72 463 030, +36 (06) 72 463 198
http://www.ofalu.helyinfo.hu
Öffnungszeiten: Mo-Do 8-16 Uhr, Fr 8-12, Schlüssel im Bürgermeisteramt.



Das Dorf ist 40 km südöstlich von Pécs entfernt. Nach dem Sieg der kaiserlichen über die osmanische Armee am Berg Harsány 1687 wurde Nagynyárád (deutsch Großnarad) für die Hofkammer beschlagnahmt. 1699 erhielt Prinz Eugen aus Savoyen für seine Kriegsdienste das Herrschaftsgut Bellye mit Großnarad. Da der Grundherr 1737 ohne gesetzliche Erben starb, geriet das Gut wieder in Besitz der Familie Habsburg. 

Ende des 17. Jahrhunderts lebten in dem nach der osmanischen Herrschaft weitgehend entvölkerten Gebiet einige serbische Familien und einige wenige Magyaren. Die Besiedlung des Dorfes durch deutsche Kolonisten hat wohl schon vor 1715 begonnen, wenn auch nur vereinzelt. Eine Besiedlung im größeren Stil erfolgte von 1720 bis 1723. Die ersten Kolonistenfamilien kamen aus dem Bistum Fulda. 1729 lebten 280 Seelen im Dorf. Die Einwohnerzahl stieg in den nächsten Jahrzehnten schnell, und so fand Bischof Klimo 1757 bei seiner Visitation hier bereits 828 Gläubige vor. Die orthodoxen Serben verließen schon früher die Ortschaft, nur der Flurname „Ratzkipfl“ am westlichen Dorfrand erinnert noch an ihre einstige Anwesenheit. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden aus der Ortschaft über 600 Deutschen vertrieben. Die Heimatverbliebenen wurden entrechtet und enteignet. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurden aus der Tschechoslowakei vertriebene magyarische Familien, bzw. Magyaren aus verschiedenen ungarischen Regionen, in die Häuser der Deutschen eingewiesen. Dadurch wurde nicht nur die sprachlich-kulturelle Homogenität der Siedlung aufgehoben, sondern auch die religiöse, da die hier angesiedelten Magyaren kalvinistisch reformiert waren. 

Empfehlenswert ist eine Besichtigung des Friedhofes. Die Änderung der Sprache auf den Grabmälern seit Mitte des 20. Jahrhunderts zeigt deutlich, welche drastische Wirkung Entrechtung und Enteignungen zwischen 1946 und 1948, bzw. die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn auf die örtliche deutsche Gemeinschaft hatten. 

Das gemeinsame Denkmal der aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschen und der aus der Tschechoslowakei durch die Beneš-Dekrete vertriebenen Ungarn ist für das ganze Karpatenbecken einzigartig. Das Denkmal befindet sich auf dem kleinen Platz vor der Táncsics Str. 30. Auf diesem Platz  findet jedes Jahr am 23. Oktober eine Gedenkveranstaltung in deutscher und ungarischer Sprache statt.

Das herausragende künstlerische Denkmal der Siedlung ist die zwischen 1756 und 1763 zu Ehren der Mutter Gottes errichtete Kirche. Dieser Barockbau wird Wiener Architekten zugeschrieben. Der Tradition entsprechend, ordnete Maria Theresia nach der Geburt ihres siebten Kindes an, in sieben Siedlungen auf Staatskosten eine Kirche zu bauen. Großnarad sollte von diesen die nördlichste sein – und die einzige, die sich heute in Ungarn befindet. Die anderen sechs Kirchen stehen in Dörfern des Donau-Drau-Dreiecks im heutigen Kroatien.

LINKS: Die zwischen 1756 und 1763 zu Ehren der Mutter Gottes errichtete Kirche.

RECHTS: Der Innenraum der Barockkirche.


LINKS: Bildstock an der Ecke der römisch-katholischen Pfarrei in Großnarad aus dem 18. Jahrhundert.

RECHTS: Grabmal auf dem alten Friedhof.

Wissenswertes

Blaufärbermuseum und Werkstatt
Die Werkstatt des Blaufärbermeisters János Sárdi verschaffte dem Dorf einen Ruhm, der mittlerweile die Grenzen der Region weit überschritten hat. Heute kann man hier die traditionelle Blaufärberwerkzeuge besichtigen und nachvollziehen, wie mit diesen gearbeitet wurde.


7784 Nagynyárád, Dózsa Gy. u. 5.
Tel: +36 (0) 69 374 142

Öffnungszeiten: Mo – Fr 8-16 Uhr 



Dorfmuseum
Das Heimatmuseum zeigt eine typische Wohnungseinrichtung und Trachten der deutschen Bevölkerung aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

7784 Nagynyárád Kossuth L. u. 5. 
Telefon: +36 (0) 69 374 104
Besichtigung nach vorheriger Anmeldung. 

Blaufärberfest
http://nagynyarad.hu/
Das große Blaufärberfest findet traditionell jedes Jahr am dritten Wochenende im Juli statt. Zwei Festtage, an denen mit kulinarischen Angeboten, Musik und Tanz gefeiert wird.

Mecseknádasd (deutsch Nadasch) liegt etwa 30 km nordöstlich von Pécs. Nach der osmanischen Herrschaft im Jahre 1686 lebten im Dorf serbisch orthodox und kalvinistisch reformierte, ungarische  Familien. Nadasch und seine Umgebung gehörte zu den Domänen des Pécser Bischofs. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Bevölkerung von drei Pestseuchen so stark dezimiert, dass der Grundherr, der aus Westfalen stammende Bischof Franz Wilhelm Graf von Nesselrode, hier katholische deutsche Familien ansiedelte. Die Kolonisten kamen vorwiegend aus Hessen, aus dem Rheinland und aus Bayern. Die Einwanderung nach Nadasch dauerte das ganze 18. Jahrhundert über an. Die ungarischen Kalvinisten wichen mit der Zeit den deutschen Katholiken und zogen in die protestantischen Nachbardörfer. 

Ein Teil der Bevölkerung beschäftigte sich mit Handwerk (Maurer, Zimmerleute, Töpfer, Tischler, Steinmetze, Wagner) und ein anderer, größerer Teil mit Weinbau. Von 1870 bis 1880 war Nadasch der größte Weinproduzent dieser Region. Bald danach setzte aber eine große Reblaus-Epidemie der noch jungen Weinkultur ein rasches Ende. Die Bodenbeschaffenheit war für Getreideanbau schlecht geeignet. So dienten Hügel um das Dorf als Weideflächen für die Viehhaltung, die eine wichtige Rolle für den Lebenserhalt spielte. 

Um 1752-53 errichtete sich Bischof Georg Klimo hier eine einstöckige Sommerresidenz. Dazu gehörten die achteckige Maria Schnee-Kapelle, ein Park, ein Hirschgarten und mehrere große Wirtschaftsgebäude. In diesem Schloss übernachtete auch Franz Liszt am 24. Oktober 1846, als er von Szekszárd nach Fünfkirchen reiste. Eine vierköpfige Delegation des Fünfkirchener Männergesangvereins gab ihm zu Ehren eine Abendserenade. Übrigens nur mit deutschen Liedern, da sie ungarische nicht kannten. An den Besuch von Liszt erinnern eine Marmortafel an der Wand des ehemaligen Schlosses und vor dem Gebäude die Liszt-Büste von Imre Varga.

Zu den Barockdenkmälern des Dorfes gehört auch die einschiffige Pfarrkirche, die dem hl. Georg geweiht ist. Die Grundsteinlegung erfolgte 1760 und die Einweihung war 1770. Die Gemälde des Hauptaltars und der Nebenaltäre stammen vom Wiener Kapuzinermönch Johann Baumgartner. 

Die farbig bemalte, steinerneHl. Wendelin-Statue ist ein Werk des in Nadasch geborenen Steinmetzmeisters Stephan Hernesz. Das große Pfarrhaus stammt aus derselben Zeit wie die Kirche.

Im Dorf arbeiteten mehrere Steinmetz-Dynastien. Die von ihnen angefertigten, kunstvollen Grabmäler befinden sich im alten Friedhof neben der Hauptstraße Nr. 6. Neben der Friedhofskapelle  aus dem 13. Jahrhundert sind noch einige Steinkreuze aus den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts zu sehen. Auf diesen stehen die Namen der Kolonisten der ersten Ansiedlungswelle. 

Die spätbarocke Hl. Johannes  von Nepomuk -Kapelle  vor der Bachbrücke sowie der Kalvarienberg  mit der nach der Hl. Jungfrau Maria benannten Kapelle zeugen von der tiefen Religiosität der Dorfbewohner. 

Die Friedhofskapelle aus dem 13. Jahrhundert mit Grabsteinen der deutschen Einwanderer.


Die barocke Sommerresidenz der Bischöfe aus Fünfkirchen.


Straße in Nadasch im Jahre 1967.

Events und Tipps

Ungarndeutsches Heimatmuseum
Munkácsy M u. 5, Mecseknádasd

http://mecseknadasd.ekisterseg.hu


Am 12. August 1687 besiegte das von Karl Herzog von Lothringen angeführte kaiserliche Heer am Fuße des nahen Nagyharsányer Berges das osmanische Heer. An diesem Feldzug nahm auch Adam Graf von Batthyány teil. Bei dieser Gelegenheit lernte er diese Gegend kennen und fasste den Entschluss, später hier Land zu erwerben. Die kaiserliche Donationsurkunde wurde ihm 1703 ausgestellt.

Die Ortschaft Bóly (deutsch Bohl), heute eine Stadt mit knapp 4.000 Einwohnern, war infolge der osmanischen Herrschaft entvölkert. Die ersten zwölf „raizischen“ (serbischen) Familien wurden hier 1713 angesiedelt. Die deutsche Einwanderung begann 1730, als die Familien von Johann Promingh und Johann Spoon sich hier sesshaft machten. Drei Jahre später heißt es in einer vom Komitat veranlassten Beschreibung von Pfarreien über Bohl: „Dieses Dorf bevölkern jetzt die einwandernden Deutschen. Sie fingen gerade an Häuser zu bauen...“ Aus den zeitgenössischen Quellen geht hervor, dass die Einwanderer überwiegend aus Österreich, Württemberg und Schwaben nach Bohl kamen. Der Grundherr Karl Graf von Batthyány errichtete 1744 in Bohl eine katholische Pfarrei und zwei Jahre später ließ er die römisch-katholische Dorfkirche bauen, die dem hl. Johann von Nepomuk geweiht ist. 

Die Herrschaft ließ die Serben im darauffolgenden Jahr in das benachbarte Rác-Töttös übersiedeln. Damit wollte man die Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Nationalitäten vermeiden, und so entstand eine reine deutsche Siedlung: Deutsch-Bohl (Német-Bóly). Den heutigen, verkürzten Namen erhielt die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg, nachdem der Großteil der örtlichen deutschen Bevölkerung enteignet und vertrieben worden war. 

Im Zentrum der Kleinstadt befindet sich das 1806 fertiggestellte, äußerlich schmucklose, klassizistische Schloss. Die Herrschaft über Bohl war die Mitgift von Julianna Gräfin von Batthyány, als sie Graf Wilhelm von Montenuovo heiratete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die adelige Familie enteignet und in ihrem Schloss wurde ein Heim für geistig behinderte Kinder eingerichtet. 

Das  wohl schönste historische Gebäude in Bohl ist das neogotische Mausoleum (1879-1894) der Familie Montenuovo an der nördlichen Mauer des Gemeindefriedhofes. Seine fachgerechte Renovierung wurde mit dem Preis „Europa Nostra“ belohnt.

Die Zahl der Handwerker in Bohl musste schon Ende des 18. Jahrhunderts verhältnismäßig groß gewesen sein. Die Herrschaft erteilte aber erst 1820 die Bewilligung zur Gründung von Zünften. So entstanden vier Innungen: 1. die Nadler-Innung für Schneider, Schuhmacher, Stricker, Riemer, Kirschner, Seiler und Handschuhmacher; 2. die Bau-Innung für Tischler, Binder, Schmiede, Schlosser, Zimmermeister, Glaser, Maurer, Spengler und Hafner; 3. die Müller-Innung und 4. die Bäcker-Innung.

Die ersten Weingärten wurden 1809 mit Genehmigung der Herrschaft angelegt. In den vergangenen zwei Jahrhunderten entstanden in dieser Region große Weinbauflächen. Die Bedeutung des Weinanbaus zeigen auch die Kellerreien, die um die Landstraße nach Szajk entstanden sind. 


Tipps und Events

Emmausgang
http://boly.ekisterseg.hu/rendezvenynaptar/

Die Schwaben in Bohl pflegen heute noch den Brauch des Emmaus: Am Ostermontag laden die Familien ihre Verwandten und Freunde für den Nachmittag in ihre Weinkeller ein und verbringen die Zeit bis zum Abend gut gelaunt mit Speis und Trank. 

Der Kalvarienberg in Bohl.


Eins der vielen Handwerke der Stadt: der Kerzenzieher.


Das neogotische Mausoleum (1879-1894) der Familie Montenuovo.


Das Portal des Mausoleums.

Ortsgeschichtliche Ausstellung der Stadt Bohl
Der herrschaftliche Kornspeicher der Familie Batthyány und Montenuovo ist eines der ältesten Gebäude in Bohl. In seinem Keller befindet sich das Weinhaus des Vereins „Mohács-Bólyer Weißweinstraße“. Im ersten Stock des Gebäudes kann die Dauerausstellung über Ortsgeschichte und Volkskunde besichtigt werden. 

Ortsgeschichtliche Ausstellung der Stadt Bóly
7754 Bóly Széchenyi tér 10.
Telefon:+3669868305

Bohl hat noch einen verborgenen Schatz für diejenigen, die sich für die Geschichte der Ungarndeutschen interessieren: der Freskenepos des Bohler Grafikkünstlers Robert König im Gemeinschaftsraum der alten Mühle. Der Künstler stellt die Geschichte der örtlichen Ungarndeutschen von der Ansiedlung bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in einer originellen, lapidaren Weise dar. Die Einheiten des Bildzyklus zeigen u.a. auch die Religiosität, das Handwerk, den Weinbau, das Bürgertum und die Musikkultur. 

Bóly, Nyárádi u. 2
Tel: + 36 (0) 69 368  100

Termine für eine Besichtigung können mit dem örtlichen Touristenbüro vereinbart werden.